Mehr als Essen im Freien: Warum Picknicken gerade ein Comeback erlebt

Ein Korb voller Lieblingsgerichte, eine Decke im Gras und Menschen, mit denen man gerne Zeit verbringt – mehr braucht es oft nicht für einen gelungenen Sommertag.

Picknicken erlebt gerade eine kleine Renaissance. Vielleicht, weil wir uns nach mehr Einfachheit sehnen: nach gutem Essen, gemeinsamer Zeit und Momenten, die nicht bis ins Detail geplant sein müssen. Denn Picknicken ist weit mehr als eine Mahlzeit im Freien. Es ist eine Haltung. Eine kleine Revolte gegen die Eile des Alltags. Und Wien bietet dafür die schönsten Kulissen.

Dabei ist die Idee des Picknicks keineswegs neu. Der Begriff geht auf das französische „pique-nique“ zurück und tauchte bereits Ende des 17. Jahrhunderts auf. Gemeint war ursprünglich eine gesellige Zusammenkunft, bei der jeder Gast etwas zum Essen beitrug. Erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts verlagerte sich diese Form des gemeinsamen Speisens ins Freie. Vor allem in England wurden Picknicks zu beliebten gesellschaftlichen Ereignissen – inklusive Porzellan, Silberbesteck und mehrgängigen Menüs. Was heute nach entspannter Improvisation aussieht, war einst eine durchaus elegante Angelegenheit.

Vielleicht erklärt das, warum Picknicken bis heute beides sein kann: unkompliziert und stilvoll zugleich. Die gute Nachricht: Im Sommer verlangt niemand nach komplizierten Menüs. Ein Picknick lebt von einfachen Dingen – vorausgesetzt, sie sind gut. Ein knuspriges Sauerteigbrot vom Lieblingsbäcker oder sogar selbst gemacht, gesalzene Butter. Ein Stück würziger Bergkäse. Dünn geschnittener Schinken. Dazu kleine Paradeiser, knackige Radieschen und frische Aufstriche. Und natürlich Obst. Kirschen zu Beginn des Sommers, Marillen, wenn ihre kurze Saison beginnt, später Pfirsiche.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Picknicks gerade eine Renaissance erleben. Nach Jahren aufwendiger Dinnerpartys sehnen sich viele nach mehr Einfachheit. Man möchte nicht stundenlang in der Küche stehen. Man möchte draußen sein. Freunde treffen. Die Schuhe ausziehen. Noch ein Stück Käse abschneiden. Noch ein Glas einschenken.

Die Donauinsel bietet dafür die perfekte Bühne. Hier trifft man Familien mit riesigen Kühltaschen, Studierende mit Spritzern – und jene beneidenswert gut organisierten Menschen, die scheinbar mühelos ganze Picknicktafeln aus Weidenkörben zaubern.

Wer es etwas eleganter mag, breitet seine Decke im Burggarten aus. Zwischen Palmenhaus und Hofburg bekommt selbst das bescheidenste Abendessen eine gewisse Grandezza. Ein gutes Baguette, etwas Prosciutto, Erdbeeren und eine Flasche Rosé – mehr braucht es manchmal nicht, um sich wie im Urlaub zu fühlen.

Ganz anders präsentiert sich der Lainzer Tiergarten. Hier wird das Picknick fast zur Sommerfrische. Nach einem Spaziergang durch die weitläufigen Waldwege schmecken belegte Brote plötzlich wie eine Delikatesse. Vielleicht liegt es an der Bewegung. Vielleicht an der frischen Luft. Oder daran, dass Essen im Grünen grundsätzlich besser schmeckt.

Der Türkenschanzpark wiederum lädt zu langen Nachmittagen ein. Hier darf das Picknick ruhig etwas nostalgischer ausfallen: Eierspeisbrote, Erdbeeren-Pistazien-Körbchen  und hausgemachte Holunderlimonade.

Vielleicht ist das die eigentliche Schönheit des Picknicks: Es macht aus einfachen Lebensmitteln etwas Besonderes. Nicht die Perfektion zählt, sondern die Gesellschaft. Nicht die aufwendigste Rezeptidee, sondern die Freude daran, miteinander zu teilen.

Der Wiener Sommer passt eben nicht nur auf eine Terrasse, er passt in einen Picknickkorb.

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