Während wir nach einem langen Arbeitstag häufig in den Modus des Erledigens wechseln – einkaufen, Wäsche machen, E-Mails beantworten, die Jausen Boxen für den nächsten Tag vorbereiten – scheinen die Franzosen ihre Prioritäten anders zu setzen. Dort beginnt mit dem Feierabend nicht die zweite Schicht, sondern ein neuer Teil des Tages.
Wenn der Feierabend zum Lebensgefühl wird
Man trifft sich auf einen apéro nach der Arbeit. Nicht unbedingt mit großem Aufwand. Ein paar Oliven, etwas Käse, vielleicht ein Glas Rosé. Man sitzt draußen, plaudert, beobachtet das Treiben auf der Straße. Dabei geht es nicht darum, das französische Leben zu idealisieren. Auch wenn zu spät kommen in Frankreich chic ist, müssen Menschen arbeiten, Termine einhalten und ihren Alltag organisieren. Aber vielleicht verstehen die Franzosen etwas, das wir manchmal vergessen: dass Genuss nicht auf den Urlaub verschoben werden sollte.
Das Leben passiert zwischen den Urlauben
Wir neigen dazu, auf die großen Auszeiten zu warten. Auf die drei Wochen Sommerferien, auf den Städtetrip im Herbst, auf das Wochenende. Dazwischen wird funktioniert. Dabei besteht das Leben vor allem aus den Tagen dazwischen. Den Dienstagabenden. Den Momenten, in denen wir entscheiden können, ob wir noch schnell etwas abhaken – oder uns stattdessen zehn Minuten länger auf die Terrasse setzen.
Vielleicht ist das die eigentliche französische Superkraft: den Übergang vom Tag zum Abend bewusst zu gestalten. Nicht alles sofort zu erledigen. Die Wäsche auch einmal bis morgen warten zu lassen. Eine Freundin spontan anzurufen und zu fragen, ob sie Zeit auf ein Glas Wein hat. Das Abendessen nicht nur als Nahrungsaufnahme zu betrachten, sondern als Gelegenheit, zusammenzukommen.
Ein bisschen Paris in Wien
Gerade im Sommer fällt das leichter. Die Tage sind lang, die Luft ist warm, die Stadt wirkt entspannter. Es braucht keinen besonderen Anlass, um draußen zu sitzen. In Wien haben wir dafür unzählige schöne Möglichkeiten draußen ein gutes Essen oder auch nur einen Drink zu genießen. Vielleicht sollten wir uns diesen Sommer genau das von den Franzosen abschauen und ein bisschen Paris nach Wien bringen: die Erlaubnis, den Alltag weniger ernst zu nehmen.
Denn am Ende erinnern wir uns selten an die perfekt erledigten To-do-Listen. Wir erinnern uns an die Gespräche, die länger dauerten als geplant. An das Lachen auf einer Terrasse. An das Glas Rosé in der Abendsonne. An jene Sommerabende, an denen wir nicht auf die Uhr geschaut haben.Und vielleicht ist das die schönste Erkenntnis überhaupt: Der Sommer besteht nicht nur aus den wenigen Wochen Urlaub, auf die wir das ganze Jahr hinarbeiten. Er steckt in den kleinen Momenten dazwischen – in guter Gesellschaft, unter freiem Himmel und an einem ganz gewöhnlichen Dienstagabend.
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