Eine Reise, bei der das Meer leise wird

Man merkt es erst nach einigen Stunden. Vielleicht sogar erst am nächsten Morgen. Wenn der Blick aus der Suite auf nichts als Wasser fällt, der Horizont ruhig bleibt und man sich trotzdem nicht wie auf einem Schiff fühlt, sondern wie in einem sehr guten Hotel, das zufällig schwimmt. Dann läuft entweder etwas gewaltig falsch – oder sehr viel richtig.
Familienurlaub mit der Explora II

Unsere Reise auf der Explora II begann im Oktober 2025 in Barcelona, einem der wenigen Orte, an denen man sofort das Gefühl hat, angekommen zu sein, noch bevor die eigentliche Reise beginnt. Diesmal blieb allerdings keine Zeit für Ramblas, Märkte oder Museen. Das Schiff wartete bereits im Hafen – auffallend elegant, zurückhaltend, beinahe unspektakulär im besten Sinn. Kein optisches Übermaß, kein knotenförmiges Kunststoffrutschen, kein Kreuzfahrtpathos. Sondern ein Versprechen: Hier geht es um Raum, Ruhe und Zeit.

Die Explora II ist eines von bisher zwei Schiffen einer neuen Generation, die sich bewusst vom klassischen Bild der Kreuzfahrt verabschieden. Statt Tausender Kabinen gibt es rund 450 Suiten, alle mit Terrasse, alle nach außen orientiert. Statt Durchsagen, Animation und Gedränge: leise Effizienz, diskreter Service, entspannte Abläufe. Passagiere nennt man hier Gäste, Kabinen heißen Suiten, der Steward ist ein Host. Das ist mehr als Semantik. Es beschreibt ein anderes Selbstverständnis.

Unterwegs zwischen Kontinenten

Die Route führte von Barcelona nach Alicante, weiter nach Gibraltar, Casablanca, Santa Cruz de Tenerife, Arrecife auf Lanzarote, Cádiz und zurück nach Barcelona. Eine Strecke, die Europa mit Afrika verbindet, das Mittelmeer mit dem Atlantik, historische Hafenstädte mit Vulkanlandschaften.

Für uns war es ein Familienabenteuer, auch, um das Klischee des klassischen Kreuzfahrtpublikums ein bisschen aus den Angeln zu heben. Kreuzfahrt als Familie auf diesem Schiff war für uns eine Punktlandung. Wir gingen überall an Land. In Alicante blieb Zeit für einen Spaziergang entlang der Explanada, für Marktbesuche und einen Blick hinauf zur Festung. Gibraltar empfing uns mit Wind, Weitblick und dieser eigenwilligen Mischung aus britischer Ordnung und südlicher Gelassenheit. Der Übergang von Europa nach Afrika geschieht hier beinahe beiläufig – nachts, während man schläft.

Casablanca war einer der intensivsten Stopps. Eine Stadt, die wenig mit Klischees zu tun hat und viel mit urbaner Gegenwart. Breite Boulevards, etwas herunter gekommene Art-déco-Fassaden, Cafés, die eher an Marseille als an Marrakesch erinnern. Die monumentale Moschee Hassan II., direkt am Atlantik erbaut, ist ein Bauwerk, das man nicht vergisst – wegen seiner Größe genauso wie wegen seiner Lage zwischen Stadt und Meer.

Auf den Kanarischen Inseln änderte sich der Rhythmus. Santa Cruz zeigte sich offen, lebendig, fast südamerikanisch, während Lanzarote mit seiner rauen, schwarzen Vulkanlandschaft eine ganz andere Stille mitbrachte. Cádiz schließlich, alt und jung zugleich, war ein idealer, farbenprächtiger letzter Stopp, bevor das Schiff wieder Kurs auf Barcelona nahm.

Ein schwimmendes Zuhause

So abwechslungsreich die Anlandungen waren – ein Teil der Reise spielte sich ganz bewusst an Bord ab. Und das nicht nur an Seetagen. Die Explora II ist kein Ort, den man verlässt, weil man muss, sondern weil man will.

Morgens Yoga mit Blick aufs Meer, später ein Besuch im Gym, das eher an ein urbanes Studio als an einen Schiffskraftraum erinnert. Mehrere Pools, innen wie außen, großzügige Sonnendecks, Rückzugsorte, an denen man auch tagsüber Ruhe findet. Das geht so weit, dass mich immer wieder das Gefühl beschleicht, auf einer privaten Yacht zu sein.

Unsere sechsjährige Tochter Toni verbrachte Zeit im Kinderclub, der unaufgeregt funktioniert, ohne Dauerbespaßung, ohne Lärm. Kinder sind hier ausdrücklich willkommen, aber nie dominant. Wer Ruhe sucht, findet sie ebenso wie jene, die Gemeinschaft schätzen.

Die Restaurants gehören zu den großen Stärken des Konzepts. Nicht, weil sie aufgeregt wären oder spektakulär, sondern weil sie konstant gut sind. Unterschiedliche Küchen, verschiedenste Ambiente, kein Zwang, kein Dresscode, kein fixes Timing. Essen als Teil des Tages, nicht als Programmpunkt. Was auffällt: Es gibt kein klassisches Buffet, kein Gedränge, kein „Jetzt schnell noch einen Teller holen“. Stattdessen kleine, gut organisierte Stationen, wo alles frisch zubereitet wird. Service am Platz und Zeit. Viel Zeit.

Das Gefühl, nicht auf einem Schiff zu sein

Vielleicht ist es das Interieur, das diesen Eindruck verstärkt. Die öffentlichen Räume erinnern eher an ein modernes Boutique-Hotel als an ein Kreuzfahrtschiff. Erdige Farben, viel Licht, keine Effekthascherei. Tipp für das Café: ein Espresso von der Guatemala-Blend, dazu ein Plättchen dunkle Schokolade mit Haselnüssen und getrockneten Beeren. Die Lobby wirkt wie ein Treffpunkt, nicht wie eine Durchgangshalle. Man bleibt sitzen, liest, beobachtet, kommt ins Gespräch.

Die Crew ist international, aufmerksam, präsent, ohne aufdringlich zu sein. Kleine Gesten bleiben in Erinnerung: ein Tee bei stärkerem Seegang, ein kurzer Hinweis, ein Lächeln zur richtigen Zeit.

Und dann ist da noch dieses schwer zu beschreibende Gefühl, das Explora selbst „Ocean State of Mind“ nennt. Es hat weniger mit Wellness oder Luxus zu tun als mit Entschleunigung. Mit dem Wissen, dass man nichts verpassen muss. Dass der nächste Hafen kommt, egal ob man heute aktiv ist oder nicht.

Ankommen, ohne abzureisen

Als wir in Barcelona wieder von Bord gingen, fiel der Abschied schwerer als erwartet. Nicht, weil man das Gefühl hatte, etwas versäumt zu haben, sondern weil man sich erstaunlich schnell zu Hause gefühlt hatte.

Diese Reise war keine klassische Kreuzfahrt. Sie war auch kein Hotelurlaub. Sie war etwas dazwischen – ein beweglicher Ort, der Kontinente verbindet und dabei erstaunlich still bleibt. Und vielleicht ist genau das die größte Qualität der Explora: Dass man irgendwann vergisst, dass man auf See ist. Und sich jedes Mal aufs Neue freut, den Vorhang zu öffnen und neue Welten zu entdecken.

von Martina Hohenlohe

(Kooperation)

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