Hohenlohes auf Genuss-Tour: Über Nizza und Luzern zurück in die Heimat

Martina und Karl Hohenlohe, die Gault&Millau-Herausgeber, fahren in zwölf Tagen von Österreich nach Italien, Frankreich und die Schweiz und zurück. Essen, Trinken, Autofahren. Fazit: Sofort wieder. Teil 4/4 der Serie.
Nizza ist lediglich dreißig Kilometer von der italienischen Grenze und überhaupt nur zehn Kilometer von Monaco entfernt, behauptet meine Frau. Gut, ich habe sie ein wenig ausgelacht und ihr einfühlsam erklärt, dass sie bei den Zahlen noch einen Nuller dran hängen muss – und dann haben wir um eine Flasche guten Wein gewettet.

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Jetzt steht sie in Nizzas noblen Einkaufszentrum und sucht einen sauteuren Wein aus. In Nizza gibt es alles was teuer ist, aber das stört hier niemanden. Selten im Leben habe ich so eine umtriebige Stadt erlebt. Direkt an der Côte d’Azur gelegen, ist der Strand auch nachts eine sehr beliebte Spielwiese. Tänzer, Taucher, Trunkene – und alle haben ihren Spaß.

Was in Nizza besonders heraussticht, ist die Alterslosigkeit der Bevölkerung: Greise in mondänen Ruderleiberln mit Spiegelbrillen, junge Damen gehüllt in Röcke und Blusen direkt aus den 50er Jahren. Und dazwischen ich, mit trostloser, brauner Short und Hemd, bar jedweden Chics oder allfälliger Eleganz. Als wir den berühmten Blumenpark von Nizza betreten, gehe ich mit meiner erdfarbenen Hose vollkommen unter. Überall brodelt es, Lokale sperren auf und zu, Gäste warten oder wanken nach Hause und bei den einschlägigen Streetfood-Ständen bilden sich Warteschlangen. Dankenswerter Weise recherchierte meine Frau schon vor Wochen die interessantesten Restaurants und reservierte, denn ohne Reservierung geht in Nizza überhaupt nichts.

Langsam nähern wir uns dem Ende unser Reise, von Nizza aus fahren wir in die Schweiz. Genauer gesagt nach Luzern, das, wie meine Frau felsenfest behauptet, am Vierwaldstättersee liegt. Sie hat Recht, er ist übrigens der viertgrößte See der Schweiz. Wenn man ihn umrunden möchte, bräuchte man als Fußgänger rund 46 Stunden.

Und nein, das haben wir dann doch nicht gemacht, sondern uns erstmal die Stadt angeschaut. Luzern ist die sauberste Stadt, die wir seit langem gesehen haben. Und im Einkaufsvergleich zu Österreich nicht das, was man ein Schnäppchen nennen kann. Aber hier ist alles in Ordnung, aufgeräumt, das Gras geschnitten, die Blumenkästchen bewässert und quasi mitten in der Stadt, gibt es ein öffentliches Schwimmbad (Seebad Luzern), dass man über den See gebaut hat und einen unglaublichen Blick über die pittoreske Landschaft bietet.

Blumenmarkt
Ein Klassiker: An sechs Tagen pro Woche stellen vormittags rund dreißig Floristen und Gärtner ihre Blumen zum Verkauf. Unter gestreiften Marktschirmen wird lauthals verhandelt, gelacht und verkauft. Irgendwie wirkt es wie auf einer kitschigen Postkarte, einzig mit dem Unterschied, dass alles echt ist. Außerdem findet man hier gleich dem Blumenmarkt angeschlossen Obst und Gemüse in einem Reifezustand, von dem man nur träumen kann.

Musee de la Photographie Charles Nègre
Ein kleines Museum gleich neben dem Markt mit Ausstellungen der bedeutendsten Fotokünstlern der Welt. Auch das Gebäude ist bemerkenswert: Einst war es das Umspannwerk der Präfektur, das in den 1930er Jahren zur Versorgung des Stadtteils in Betrieb genommen wurde. 

Schlossberg
Der Parc de la  Colline du Château bietet eine Aussicht auf die Altstadt, die Bucht der Engel (Baie des Anges), die Berge und den Hafen. Entweder erklimmt man den Berg zu Fuß oder nimmt den Aufzug. Verlässt man den Schlossberg auf der Rückseite, kann man gleich einen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt anschließen.

Küstenspaziergang
Apropos gehen: Man kann von Nizza nach Villefranche sur mer wandern und dabei neunzig Prozent des Weges am Meer entlang gehen. Man startet am Coco Beach und peilt Cap de Nice an, umgeht die Klippen des Maeterlinck Palace, steigt die Treppen in der großen Kurve nach dem Maeterlinck Palace hinab und kommt zum Hafen von Villefranche sur mer. Das Ganze dauert etwas 1,5 bis zwei Stunden, danach kann man mit dem Bus Nummer 15 zurück nach Nizza fahren.

Unterkunft
Nur wenige Schritte vom Zentrum Nizzas liegt das Hotel La Pérouse auf den Klippen der Corniche. Seit fast einem Jahrhundert wacht das Haus über die Baie des Anges, am Ende der Promenade des Anlais. Der Außenpool wurde in den Felsen des Schlosshügels.

Restaurants
– Im Hotel La Pérouse befindet sich auch das Restaurant Le Patio. Dort sitzt man in einem ruhigen Innenhof unter Zitronenbäumen, die Wände sind mit mediterranen Kacheln gepflastert, manchmal wird auch live gesunden. Die Küche ist ebenso der Region verpflichtet: Seeteufel mit Thymian, kleinen Artischocken und Oliven aus Nizza, Rinderfilet mit lauwarmer Avocado, Melanzanikaviar und Fenchel. 

– La petite maison ist eine Institution und Treffpunkt in Nizza. Die Küche ist weniger ländlich provenzalisch, sondern eine Art internationaler Bistro-Stil. Signature-Dish ist der berühmte Artischockensalat, auch die Ratatouille, es gibt aber auch Hummer und Trüffel. Alles, was die Gesellschaft von Nizza begehrt. Es ist alleine schon unterhaltsam, auf einen Drink einzukehren und das bunte Treiben rundherum zu beobachten.

– Das Peixes ist ein legeres Meeresbistro mit Ideen für Aromen und Kombinationen, frischer Mittelmeerfisch, der mit Einfachheit und Respekt verarbeitet wird: Plancha-Messer, Ceviche vom Wolfsbarsch mit Birne und Kiwi, Philadelphia-Ingwer-Creme, ganze Dorade aus dem Ofen, Oktopus mit Belugalinsen. Im Weinkeller finden sich gute Referenzen für alle Bereiche (Combier, Reverdy, Chantal Lescure).

Tipp: Was man in Nizza unbedingt essen sollte (abgesehen von Salade nicoise)
– Das lokale Streetfood Socca aus Kichererbsenmehl, Wasser und Olivenöl sollte innen noch cremig sein. Ursprünglich wurde es in Genua erfunden, dann kam das Rezept irgendwann nach Nizza.
– Panisse ist ebenso aus Kichererbsenmehl. Eine Art Stick, der gebraten wird und optisch einem überdimensionalen Pommes ähnelt.
 Pissaladiere ist ein Kuchen mit Zwiebeln und Sardellen.
– Pan Bagnat ist eine Sandwich-Version des typischen Nizza-Salats mit Thunfisch, Salat, Tomaten, hart gekochten Eier, Oliven und Olivenöl in einem Baguette.

Unterkunft
Das Hotel Mandarin Oriental Palace wurde zwischen 1904 und 1906 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Heute: eine Symbiose aus moderner Eleganz und historischen Charme. Mit großer Akribie wurden die Decken, Wände und Böden im Erdgeschoss und im Treppenhaus in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Stolz thront der Belle-Epoque-Tempel am Ufer des Vierwaldstättersees und trägt zu Recht 5-Sterne-Superior. 

Restaurants
Im Mandarin Oriental Palace gibt es das mediterrane Quai 10 auf der Seeterrasse, das Colonnade mit saisonaler französischer Küche und das Minamo mit japanischer Omakase-Küche („Ich lasse mich vom Koch überraschen“).

Ausflüge
Eingebettet in ein Bergpanorama liegt Luzern, das Tor zur Zentralschweiz am Vierwaldstättersee. Die mittelalterliche Stadt ist Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge: die Fahrt auf einen der Luzerner Hausberge, den Pilatus oder die Rigi, die Königin der Berge. Auf das Stanserhorn, den Bürgenstock oder eine Dampfschifffahrt auf dem verzweigten Vierwaldstättersee. Der Gotthard Panorama Express mit Ausgangspunkt Luzern bringt über den Vierwaldstättersee an den Fuß des Gotthardpasses und weiter per Bahn ins Tessin südlich des Alpenkamms.

Brücken und Mauern
Das Luzerner Stadtbild prägt die gedeckte, mittelalterliche Kapellbrücke, die mit ihren Giebelgemälden als eine der ältesten überdachten Holzbrücken Europas gilt. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist die Museggmauer, die bis auf einen Turm in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten geblieben ist.

Altstadtspaziergang
Historische, mit Fresken geschmückte Häuser umsäumen in der autofreien Altstadt Plätze wie etwa den Weinmarkt.

Veranstaltungen
Zu den architektonischen Höhepunkten gehört das futuristische Kultur- und Kongresszentrum des französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Das KKL ist auch Wahrzeichen der „Festivalstadt Luzern“ mit verschiedensten Veranstaltungen im Lauf des Jahres.

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