Vom Bußgedanken zur Genusskultur
Der Ursprung liegt in der kirchlichen Fastenordnung: Fleisch von warmblütigen Tieren war untersagt, Fisch hingegen erlaubt. Und so wurde der Hering – einst günstiges, haltbares Lebensmittel – zum Symbol des Übergangs vom närrischen Treiben in die vierzigtägige Fastenzeit.
Was ursprünglich als schlichte Notwendigkeit begann, entwickelte sich in Österreich zu einer eigenen kulinarischen Kulturform. Der Heringsschmaus ist heute weniger Askese als vielmehr ein bewusster Wechsel der Tonart: weg vom Üppigen, hin zum Maritimen, Frischen, Salinen.
Klassisch und doch wandelbar
Traditionell findet sich am Tisch:
- Heringssalat in unzähligen Varianten
- Matjes mit Erdäpfeln
- Bismarckhering
- Räucherfisch
- Krustentiere und Muscheln
- Aufstriche auf Schwarzbrot
In vielen Restaurants ist der Heringsschmaus längst zum Buffet gewachsen – mit Austern, Garnelen, Lachsvariationen und mediterranen Einflüssen. Die einfache Fastenspeise wurde zum kulinarischen Ereignis.
Und doch bleibt der Hering im Zentrum. Sein salziger, leicht säuerlicher Charakter passt erstaunlich gut zu dieser Jahreszeit.
Eine zeitgemäße Interpretation
Wer den Heringsschmaus zuhause zelebrieren möchte, kann Tradition und Moderne verbinden:
- Matjes mit Apfel, roter Rübe und Kren
- Räuchersaibling mit Sauerrahm und Dill
- Gebratene Garnelen mit Zitruszeste
- Ein feiner Erdäpfelsalat mit Senfdressing
Es geht weniger um Opulenz als um Qualität und Saisonalität. Gute Produkte, präzise gewürzt, mit Respekt vor der Tradition – so bleibt der Heringsschmaus lebendig.


